Die EU Kommission stuft Titandioxid als „möglicherweise krebserregend“ ein

Titandioxid gilt seit dem 4. Oktober 2019 als ein „Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung durch Einatmen“. So entschied die EU-Kommission, dieses Weißpigment zu klassifizieren – und das obwohl sich die Mehrheit der Experten der Mitgliedsstaaten dagegen ausgesprochen hatte. Auslöser für die Diskussion zur Einstufung von Titandioxid als möglicherweise krebserregend sind Studien an Ratten, die hohen Konzentrationen an Titandioxid-Staub ausgesetzt waren, was zu Lungenüberladungen durch das Einatmen von Staubpartikeln führte.

Pulverförmige Produkte mit Titandioxid müssen jetzt eingestuft und gekennzeichnet werden. Ergänzend sind Zusatzkennzeichnungen für flüssige und feste Gemische mit Titandioxid vorgesehen, unabhängig davon, ob überhaupt eine Freisetzung von Titandioxid am Arbeitsplatz oder beim Verbraucher zu erwarten ist.

Titandioxid behindert künftig das Recycling
Auswirkungen wird die Einstufung in vielen Bereichen und Anwendungen haben, auch dort wo Titandioxid gar nicht eingeatmet werden kann. Beispielsweise ergeben sich Konsequenzen im Recycling- und Abfallbereich: Produkte, die mehr als 1 % Titandioxid enthalten, werden zu gefährlichem Abfall. Dies betrifft zum Beispiel die Entsorgung rund der Hälfte aller Kunststoffprodukte und Bauschutt. Eine aktuelle Studie der Kunststoffindustrie, der Pigmenthersteller und der Recycler zeigt, dass in Deutschland beispielsweise etwa 400.000 t Kunststoffe wegen der Einstufung zukünftig nicht mehr recycelt werden können.

Titandioxid ist das am häufigsten verwendete Weißpigment. Aufgrund seiner Eigenschaften wird es breit und vielfältig in nahezu allen Bereichen und Anwendungen eingesetzt, am häufigsten in Farben, Lacken, Kunststoffen und in Papier. Darüber hinaus wird es zur Farbgebung in Kosmetik, Lebensmitteln, Pharmazeutika, Bauprodukten oder Keramik genutzt. Titandioxid ist in vielen dieser Anwendungen nicht durch andere Stoffe zu ersetzen.

Quelle: K-Zeitung