"Kunststoff - Innovationstreiber oder Umweltsünder?" - kunststoffland NRW Branchentag 2019 beim Vereinsmitglied Covestro

v.l.n.r.: Diskussionsteilnehmer/innen: Dr. Hermann Bach (Covestro), Lothar Becker (ZDF), Ulrike Schell (Verbraucherzentrale NRW), Katharina Istel (NABU, Bundesverband), Prof. Dr. Andreas Pinkwart (Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen), Frauke Hoffmann (Hoffmann + Voss), Reinhard Hoffmann (Vorsitzender kunststoffland NRW, Geschäftsführender Gesellschafter Gerhardi Kunststofftechnik). ©Covestro Deutschland AG

Düsseldorf, Januar 2019 – Mit diesem Thema traf der Verein kunststoffland NRW ins Schwarze. Das Interesse auf Seiten der Kunststoffindustrie war enorm – ebenso wie die ehrliche Bereitschaft, sich den großen Herausforderungen zu stellen. Gekommen waren rund 120 Industrievertreter/innen aus Großunternehmen und Mittelstand, die alle Bereiche der Wertschöpfungskette Kunststoff abdeckten. Berührungsängste gab es nicht, im Gegenteil. Der offene Austausch mit Vertreter/innen von NABU, Verbraucherzentrale und Medien war wesentlicher Teil des Programms und stand ebenso wie der Dialog mit NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart im Vordergrund der Veranstaltung.

Image Kunststoff – Weckruf für die Branche
 „Die Kunststoffindustrie sitzt in der Öffentlichkeit auf der Anklagebank, wir sind alle gemeinsam gefordert, jetzt zu handeln“, appellierte Reinhard Hoffmann, Vorsitzender kunststoffland NRW an die Teilnehmer/innen. „Wie kann man die enormen Vorteile des Werkstoffs Kunststoff weiter nutzen und zugleich nachhaltig und verantwortungsbewusst agieren?“- so brachte Hoffmann die Herkulesaufgabe der Kunststoffbranche auf den Punkt.

Dr. Hermann Bach, Innovationschef von Covestro und Vorstandsmitglied von kunststoffland forderte die Gäste auf, die Diskussion in der aktuellen Debatte anzuführen und sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. Er selbst bezog direkt klar Position: „Kunststoff ist Innovationstreiber. Er ist Teil der Lösung für eine ganze Reihe von Herausforderungen unserer Zeit: Erneuerbare Energien, Klimaschutz, Elektromobilität. Nichts davon geht ohne Kunststoff. Ich gebe offen zu, die Erfolgsgeschichte des Kunststoffs hat eine Schattenseite. Wir haben ein Abfallproblem, insbesondere in Afrika und Asien und insbesondere bei Verpackungsmaterialien. Dieses Problem werden wir nur gemeinsam lösen können.“

Die Rolle der Kunststoffindustrie als Innovationstreiber unterstrich auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Gleichwohl gebe es weltweit große Herausforderungen. „Deutschland hat in den vergangenen 40 Jahren viel Erfahrung mit Recycling gesammelt. Diese deutsche Lernkurve muss auch in Länder exportiert werden, die derzeit die Verursacher des Problems sind“, sagte Pinkwart. Maß und Mitte seien hier wichtig.

Für den Naturschutzbund NABU skizzierte Katharina Istel grundsätzliche Positionen ihrer Organisation zum Werkstoff Kunststoff. Dabei räumte sie offen ein, dass Kunststoffe oft eine bessere Ökobilanz als andere Materialien hätten und neue Funktionen und Anwendungen erst ermöglichten. Trotzdem: Marine Litter, Mikroplastik sowie die erhebliche Zunahme der Kunststoffabfälle in Deutschland gehörten unbedingt noch stärker in den Fokus – sowohl von Regulierung als auch freiwilliger Maßnahmen seitens der Industrie. Ein „Weiter-so“ dürfte es dabei auf keinen Fall geben, auch wenn sich selten einfache oder widerspruchsfreie Lösungen finden ließen. Gerade jetzt müsse man gemeinsam agieren.

Diskussionsrunde: Alle an einen Tisch                                                                                                                        Bei der Diskussion zwischen Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Hermann Bach (Covestro), Lothar Becker (ZDF), Ulrike Schell (Verbraucherzentrale NRW), Katharina Istel (NABU, Bundesverband), Frauke Hoffmann (Hoffmann + Voss), Reinhard Hoffmann (Vorsitzender kunststoffland NRW, Geschäftsführender Gesellschafter Gerhardi Kunststofftechnik) begegneten sich Wirtschaft, Politik, NGOs und Medien auf Augenhöhe. Auch das hochkompetente Publikum lieferte klare Einschätzungen und ideenreiche Antworten, wie die Kunststoffindustrie ihrer Verantwortung gerecht werden kann. Aufschlussreich waren hier die Ergebnisse aus einer Vorabbefragung, die kunststoffland im Vorfeld durchgeführt hatte: Über 90 Prozent der Befragten meinen, dass der Werkstoff Kunststoff aktuell negativ in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Es bestünde dringend Handlungsbedarf.
 

Auch Reinhard Hoffmann mahnte in seinem Schlusswort, die eigene Verantwortung und das Thema Image Kunststoff ernst zu nehmen. „Lassen Sie uns die Herausforderungen gemeinsam angehen, nur geschlossen mit allen Akteuren werden wir dieses hochkomplexe Thema meistern.“

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