kunststoffland Mitglied Kunststoff-Institut Lüdenscheid: Eröffnung des Polymer Training Centre (PTC)

Technische Aufgabenstellungen lassen sich am besten in der Gruppe erörtern. Die Trainer übernehmen nur die Rolle eines Moderators und stehen für Fragen zur Verfügung. Foto: Kunststoff-Institut Lüdenscheid

Am 21. Juni 2018 ist das Ausbildungszentrum für die Kunststofftechnik mit neuem und einzigartigem Schulungsangebot speziell für die Kunststofftechnik feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben worden. Das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalens vertreten durch Herrn Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütof, Leiter der Abteilung Innovation und Märkte, stellt in seiner Begrüßungsrede nochmal dar, warum sein Ministerium dieses Projekt mit über 3 Mio. Euro gefördert hat. „Der innovative Ansatz dieser Ausbildungsstätte und seine enge Verzahnung mit der Industrie, hat unser Ministerium von Anfang an begeistert und wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Fachkräftemangel in der Kunststoffindustrie zu lindern“, so Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütof.

„Wir haben das Kunststoff-Institut Lüdenscheid mit der Eröffnung des neu gebauten Polymer Training Centres (PTC) nun auch offiziell als überbetriebliche Bildungsstätte (ÜBS) ausgerichtet, um mit diesem Schritt den Industriefirmen und ihren Auszubildenden des Berufsbildes Verfahrensmechaniker Kunststoff und Kautschuk ganz oder teilweise in die Obhut des Kunststoff-Institutes geben zu können“, so Projektleiter Torsten Urban. Das PTC erfüllt somit mehrfache Aufgaben und wird auch in Zukunft vielschichtige Angebote liefern, die immer wieder auf die wechselnden Bedürfnisse der Industrie zugeschnitten sein müssen.

Zum Hintergrund der Initiative:
Die steigenden Produktanforderungen und die Globalisierung des Wettbewerbs in der Kunststoffindustrie führen dazu, dass Verfahren, Maschinen und Werkzeuge in immer kürzeren Zyklen weiterentwickelt, technisch anspruchsvoller und komplexer werden.

Im Bereich der Hochlohnländer Europas ist es dadurch zwingend notwendig, vermehrt auf Produktionszellen zurückzugreifen, die einen hohen Automatisierungsgrad ermöglichen und dadurch auch montageintensive Produktion in Deutschland/Europa halten zu können.

Als Folge daraus werden die Anforderungen an den Ausbildungsstand der Mitarbeiter immer umfangreicher. Um hier langfristig Schritt halten zu können, müssen Kunststoffverarbeitungsbetriebe neben der Entwicklung neuer Produkte und der laufenden Verbesserung der Fertigungsprozesse zeitgleich ihr Personal ausbilden. In der Kunststofftechnik wird deshalb permanent wesentlich höher bzw. spezieller ausgebildetes Fachpersonal benötigt . Dem gegenläufig ist jedoch die demographische Entwicklung speziell in Deutschland.

Somit gilt für alle Ausbildungseinrichtungen, dass sich diese inhaltlich und anlagentechnisch am Stand der Technik orientieren müssen. Während dies schon seit vielen Jahren für den Metall- und Elektrobereich gemacht wurde und dafür auch eigens ausgerichtete Ausbildungszentren errichtet wurden, ist dies für die noch relativ „junge“ Kunststofftechnik bisher nicht erfolgt.

Verbesserung der Infrastruktur
Das Projekt PTC ist eine notwendige Ergänzung für das Projekt „Denkfabrik“ der Regionale 2013. Innerhalb der Denkfabrik gibt es einen Schwerpunkt der Institute (Deutsches Lichtinstitut, Institut für Umformtechnik und das Kunststoff-Institut Lüdenscheid) und in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Phänomenta und dem Technikzentrum wird einer generationsübergreifenden Lernkultur ein ganz neues Gesicht gegeben. Vom Kindergartenalter bis hin zum lebenslangen Lernen älterer Facharbeiter ist somit eine große Bandbreite abgedeckt 

Das PTC trägt zur Verbesserung der Infrastruktur bei, da in der gesamten Region im Bereich der Kunststofftechnik kein Lehrzentrum existiert. Außerdem löst es  die bisherige räumliche Enge des Instituts auf. Der direkte inhaltliche und räumliche Zusammenhang zwischen theoretischem Lernen und praktischem Erfahren war in dieser Kombination in der Region bisher nicht vorhanden. Die weitere Ausgestaltung als internatsähnliches Angebot ist darüber hinaus auch bundesweit als Pilotprojekt zu sehen.

Kompensation von regionalen Ausbildungsdefiziten
Die Ausbildung der Kunststofftechnik war immer schon  nur ein Anhängsel mit kleinem, zusätzlichem Ausbildungsangebot im Bereich der Metall- und Elektro Ausbildung oder des Maschinenbaus. Dies war so in den Ausbildungsberufen und zeigt sich auch in den Studiengängen. Mit Hilfe des PTCs gibt es nun erstmalig eine Ausbildungsstätte der SIHK für Kunststofftechnik, die  bereits für den Metall- und Elektrobereich seit Jahrzehnten in Lüdenscheid existiert. Die Ausbildung zum Werkmeister Galvanik für Kunststoffe, gibt es beispielsweise zurzeit deutschlandweit noch nicht.

Bei den Studiengängen gibt es mittlerweile den Bereich der Kunststofftechnik, der aber im PTC dann mit den entsprechenden Praktika und Übungen insbesondere im chemischen Bereich aufwarten kann, um auch eine intensive und umfassende praktische Ausbildung gewährleisten zu können.

Somit kann im PTC das Angebot für die Lehrtätigkeit deutlich ausgeweitet werden und auch überregional Studenten anlocken, die dies an anderen Hochschulen Deutschlands in dieser Kompaktheit nirgends antreffen.

Faktencheck
Das Institut erhält eine zusätzliche Nutzfläche in Höhe von 1.965 m². Darin sind enthalten 48 Büroarbeitsplätze, ein Labor für Materialprüfung, ein Labor für Schadensanalyse, ein Labor für generative Verfahren, Schulungsräume mit je einer Spritzgießmaschine ausgerichtet nach Materialtypen und zahlreiche Schulungs- und Pausenräume. Das Gesamtprojektvolumen umfasst 5,1 Mio. Euro von denen alleine 2,1 Mio. Euro in technische Ausstattungen geflossen sind.

 

Original-PM: Kunststoff-Institut Lüdenscheid